Leeres Salzburg

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Daniel Käfer hat mit seiner Kamera die Bemühungen der SUPER-Initiative eingefangen und seine Eindrücke zu einem 25-minütigen Film verarbeitet. Die SUPER-Initiative ist ein Verein in Salzburg, welcher versucht sich um Leerstände aufzuspüren und diese wiederum an Künster:innen, Kollektive und Vereine weiterzuvermitteln. Der Film war am 13. Jänner 2022 im DAS KINO zu sehen und wurde im Rahmen der „Film it Masterschool 2020/21“ von Studio West präsentiert.

Christian Veichtlbauer

Beim dramatisch gestalteten Intro werden einige Schauplätze Salzburgs angeführt, welche nicht gerade lebendig wirken und weniger intakte Plätze der Stadt zeigen. Die ersten unkommentierten, lediglich von Musik hinterlegten zwei Minuten bauen eine zugleich triste und fragende Atmosphäre auf. Im weiteren Film kommen Künstler:innen selbst und Akteure von Seiten der SUPER-Initiative zu Wort. Daniel Käfer ist nicht nur für Buch, Kamera, Schnitt und Produktion verantwortlich, sondern ist darüber hinaus selbst im Verein tätig. In der Produktion sind wechselseitig die Künstler:innen, der Geschäftsführer der SUPER, Stefan Heizinger, sowie der Regisseur selbst zu sehen.

Die seit 2015 bestehende Mission der Initiative ist auf deren Website nachzulesen und lautet mehr oder minder wie folgt: Unsere Vision ist es, aus vorübergehend leerstehenden Räumen in Salzburg Möglichkeitsräume für kreative Zwischennutzung zu schaffen. Unter Zwischennutzung wird eine nicht dauerhafte Benutzung und Bespielung von Räumlichkeiten verstanden, mit dem Ziel, dass die Bürger:innen miteinander kooperieren. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet SUPER an Kontakten, Kartieren und Karteien. Die Initiative setzt sich für die ressourcenschonende Nutzung von Räumen zum Vorteil aller Beteiligten ein. Die Arbeit zielt also darauf ab, dass darin ein Mehrwert für alle Akteur:innen, Raumsteller:innen wie Zwischennutzer:innen und schließlich für die Stadt als Ganzes geschaffen wird. Doch wollen wir diese win-win-win Situation nun etwas genauer ansehen.

Sogenannte Scouts sind in der Stadt unterwegs, um leere Flächen, Geschäftslokale und Gebäude in der Stadt zu finden. Zum einen werden mithilfe eines Leerstandsmeldesystems (leerstandsmelder.de) nicht benützte Objekte aufgesucht und auf deren mögliche Andersnutzung gecheckt. Zum anderen werden scheinbar leerstehende Gebäude über die Zeit beobachtet und bei längerer Nichtnutzung in das Meldesystem aufgenommen. In weiterer Folge wird versucht, Kontakt mit den Besitzer:innen aufzunehmen und eine mögliche Zwischennutzung diskutiert.

Ohne jeden Zweifel gibt es viel Notwendigkeit nach leistbaren Räumen in Salzburg. Neben den steigenden Wohnungspreisen ist auch die Kunst und Kulturszene davor natürlich nicht gefeit. In der Anfragen-Kartei der Initiative bildet sich eine Tendenz zum Bedarf der Räumlichkeiten ab. Besonders stark werden Ateliers, Präsentationsflächen, Maker-Spaces, Theater-, Tanz- und Aufführungslocations angefragt. Dies ist nicht überraschend, da in Salzburg aus mehreren Universitäten und Ausbildungsstätten (Kunstuniversität Mozarteum, FH) Kreative und Kulturschaffende kommen, welche dann auch hier arbeiten oder arbeiten wollen.

Auf dieses Bedürfnis soll eingegangen werden, um die Stadt zu einem lebendigeren und abwechslungsreicheren Gefüge werden zu lassen. 

Für die Künstler:innen, welche in der Malerei, der Kostüm- und Bühnengestaltung oder als Veranstelter:innen und Kurator:innen tätig sind, wird erhoben,s bei welchen Räumlichkeiten Bedarf besteht. Bei der Nutzung wird grob zwischen Produktionsraum und Präsentationsraum unterschieden, wobei auch der Stadtteil und Zustand des Gebäudes berücksichtigt werden.

Aus Sicht der Künstler:innen zeichnet die Initative aus, dass, wenn in den etablierten Räume der „Kulturhauptstadt“ (ARGE, MARK oder Künstlerhaus) nichts verfügbar oder zugänglich ist, dennoch nach einer Lösung gesucht und diese auch oft gefunden wird. Demnach trägt der Verein dazu bei, dem vorherrschenden künstlerischen zeitgenössischen Potential Raum zu schaffen.

Stefan Heizinger selbst nennt die Initiative eine, die – Zitat: in die Gänge kommt und in die Gänge bringt. Das bekannte jammern nach keinem leistbaren Raum soll ein Ende haben und die Zeit der Umsetzung ist angebrochen. Mit diesen Worten eines Machers gibt es demnach keine Gründe mehr, nicht tätig zu werden. Sind die Bemühungen der SUPER dennoch eher Symptombekämpfung in einem falsch funktionierenden System, welches die Problematik rund um Leerstand und Mietpreise weiter und weiter zuspitzen wird? Sicher wird das Vorgehen nicht den Wandel des Systems herbeiführen, aber sie agieren dennoch ein Stück weit subversiv gegen einen zunehmend ungemütlicher werdenden Immobilienmarkt. Mit der Arbeit der Initiative kann laut dem Film auf individueller Ebene eine deutliche Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse bei Kunst- und Kulturschaffenden konstatiert werden.

Die Funktionsweise der Initiative ist wohl so gut wie simpel. Durch die Dokumentation des Leerstands und die Vernetzung zwischen Bürger:innen, Geschäftsleuten, Vereinen und den beteiligten Stellen des Magistrats etabliert sich die SUPER als ein interessanter Ansprechpartner in der Stadt, welchem die Arbeit sicher nicht so schnell ausgeht, denn die Leerstandssituation in Salzburg ähnelt einem Fass ohne Boden.

Der Film von Daniel Käfer ist auf alle Fälle sehenswert, sowohl für bereits für das Thema sensibilisierte als auch Neueinsteiger:innen. Er kann auf der Website der SUPER-Initiative und auch auf YouTube gestreamt werden.

SUPER INITIATIVE

https://www.super-initiative.at/über/

FILM

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