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„Du studierst in Salzburg und suchst nach einer modernen und leistbaren Wohnmöglichkeit? Dann bist du hier goldrichtig! Das Studentenwohnheim @HOME eröffnen im Herbst moderne und top ausgestattete Apartments im Herzen von Salzburg.“ So lautet der verlogene Opener des neuen Salzburger Studierendenwohnheims, welches in der Presse nicht nur für eine cozy Berichterstattung gesorgt hat.

Von Christian Veichtlbauer

Doch der Reihe nach. Schon die gesamten Teenie-Jahre dieses Jahrtausends flammt die Diskussion um den Stadtteil Lehen immer mal wieder auf. Der Salzburger Stadtteil sei im Umbruch und wird mithilfe von Projektentwicklern und Bauträgern aufgemöbelt, was für ein Glück aber auch. So hat inmitten von Lehnerpark, Stadtwerk und Neuer Mitte Lehen vergangenen Herbst das @HOME Studentenwohnheim seine Pforten in der Gaswerkgasse geöffnet.

Laut Website ist das @HOME Salzburg das erste Studentenwohnheim unter diesem Konzept, bei welchem schöne, moderne und voll ausgestattete Apartments ein Zuhause für die Mieter:innen schafft. Weitere Standorte sind bereits in Planung. 

Die Studentenheime sollen einen positiven Aspekt zum Leben der Studenten beitragen und sie bei ihrem Studium unterstützen. Denn scheinbar wissen wir alle: Österreich braucht mutige junge Menschen, die in Zukunft Geschichte schreiben. Doch es geht noch weiter und sogar von einer „Mission“ ist die Rede. Demnach soll das @HOME Studentenwohnheim ein Platz sein, an dem Studenten einander treffen und kennenlernen können, Freundschaften schließen und so ihr Netzwerk für die Zukunft ausbauen. Ich hoffe, mit diesen anfänglichen Schwafeleien nicht allzu viele Leser:innen verschreckt zu haben.

Zwar beleuchten wir im Folgenden das Problem lediglich schlaglichtartig, dennoch lässt sich zusammenfassen, dass bereits viele Menschen einen Gutteil ihres Einkommens für Mieten und Betriebskosten, kurz Wohnen, ausgeben. Egal ob für eine Wohngemeinschaft oder ein Studierendenheimzimmer: die Preise sind extrem hoch und nirgendwo steigen die Preise schneller als in unserer lieben Mozartstadt. Ganz besonders stark betroffen davon sind wir Studierende. Nun wollen wir uns aber nicht mit Meldungen im Stil Elon Musks abwimmeln lassen, welcher in den Kommentaren zu Tweets Kritik wie folgt begegnet: „Finde dich damit ab!“.

Patrick Brandauer vom ÖH-Sozialreferats will sich auch nicht so einfach damit abfinden und sagt: „Studentisches Wohnen ist vor allem in Salzburg ein sehr großes Problem und für viele Studierende sehr schwer bis kaum leistbar. Studierendenheime sollten hier eigentlich Abhilfe schaffen und günstigeren Wohnraum bieten. Dass dies in Salzburg weniger der Fall ist und die Preise für Studierendenheimzimmer vergleichsweise hoch sind, ist hinlänglich bekannt.“ Darüber hinaus sieht er in der aktuellen Entwicklung „einen neuen negativen Höhepunkt in diesem Bereich. Das Land muss reagieren und hier eingreifen. Studentisches Wohnen ist auch abgesehen von Wucher-Preisen für zu viele Studierende viel zu kostspielig. Hier braucht es großflächige und strukturelle Veränderungen.“

Eigentlich sind wir uns ja alle einig. Es geht um die Stadt, um gutes und leistbares Wohnen und nicht um Wohnen, das eine:n vor Existenzschwierigkeiten stellt. Angebot und Nachfrage regeln ja bekanntlich den Preis. Beim Leerstand hätten Stadt und Land einen gewaltigen Spielraum, um den scheinbar grenzenlos steigenden Wohnkosten entschieden entgegenzuwirken. Durch das Schaffen von Gemeindebauten und Entlastungen bei den Kommunalabgaben könnte der Preis fürs Wohnen längerfristig stabilisiert werden. Wohnen darf kein Luxusgut sein und gehört dem freien Markt entzogen. Doch die Salzburger Landesregierung sieht dies entschieden anders und findet es lukrativer – aus welchen Gründen auch immer – Millionen in den Ausbau der Mönchsberggarage und ins Festspielhaus wortwörtlich zu pumpen.

So auch in die Gaswerkgasse beim @HOME Wohnheim. Hier hat das Land Salzburg fast 1,6 Millionen (!) aus dem Wohnbauförderungstopf locker gemacht. In der Vergangenheit wurden die Wohnheime meist von gemeinnützigen (christlichen) Vereinen betrieben. Mit zunehmender Liberalisierung des Wohnungsmarktes jedoch haben auch gewinnorientierte Firmen den Braten gerochen und fänden es nicht fair, diesen Bautypus noch länger abseits des freien Marktes existieren zu lassen. Zwar wollen wir uns einerseits von allem, was mit der katholischen Kirche nur im Entferntesten zu tun hat fernhalten, aber wenn die Alternative auf der anderen Seite ein neoliberal agierendes Unternehmen ist, sind die Aussichten eher düster.

Ganz anders sieht die Welt jedoch auf der Wohlfühl-Website des @HOME aus, hier sind es „die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen – Guy de Maupassant“. So zahlen die Mieter:innen für diese Begegnungen nun einen stolzen Quadratmeterpreis von 35 Euro, und das in einem geförderten Bau. Eine Preisdeckelung bei den Mieten schreibt das Land trotz der Finanzspritze für das Projekt nicht vor. Ein richtiges best practice Public-private-Partnership! Um einen Vergleich herzustellen, der durchschnittliche Zimmerpreis in den Salzburger Wohnheimen liegt bei 400 Euro – im fancy @HOME hingegen blechen die Mieter:innen stolze 620 Euro. Aber ein doch recht angemessener Preis für mutige junge Menschen, die in Zukunft für Österreich Geschichte schreiben sollen. 

Andrea Klambauer, die zuständige Landesrätin des „Neuen liberalen Österreich“, spricht davon, dass von Seiten der Projektverantwortlichen von rund 447 Euro für ein Zimmer die Rede war. Daraufhin floss das Geld ohne großes Zögern und auch nicht zu knapp. Somit war der Bau finanziert, aus dem Boden gestampft und auch gleich eröffnet. Dass die Mieten nun horrend hoch sind, will der Geschäftsführer Jacques L. van der Merwe so nicht stehen lassen. Ein kostendeckendes Wirtschaften sei ihm zufolge kaum möglich, scheint also so, als hätte er noch nicht ausreichend Investment-Punk-Videos auf YouTube gestreamt. Darüber hinaus will er auch nicht von Wucherpreisen sprechen. Apropos Wucherpreise, gegen ebendiese zeigte sich die bereits erwähnte Landesrätin anfangs recht machtlos. Naja, kann man halt einfach nichts machen. Aufgrund der Schlagzeilen in der Presse sowie dem öffentlichen Druck werde man den Fall in der Gaswerkgasse indessen Kontrollen und rechtlichen Prüfungen unterziehen. Siehe da, um Ihren eigenen Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen, ist später sogar von einer Rückforderung des Geldes zu lesen. Wir werden sehen, ob auf die Rückforderung auch eine Rückzahlung folgen wird.

Diese Rückzahlung dürfte den um Kostendeckung besorgten Geschäftsführer wohl nicht sehr hart treffen. Laut der Finanzanalyse Plattform (northdata.de) konnte der Immobilienvermittlungs- und Entwicklungskonzern MWC ALPIN IMMOBILIEN GMBH aus Krimml, welchem Herr van der Merwe vorsitzt, seine Bilanz im Zeitraum von 2017 auf 2020 verdreifachen. Da ist die Anmutung etwas vage, dass sich der Bau lediglich mit den Zuschüssen vom Land realisieren lässt und darüber hinaus auch noch dermaßen exzessive Mieten das Projekt kaum wirtschaftlich werden lassen.

An dieser Stelle können die Neoliberalen mantraartig einsetzen: Der Staat soll sich in die Wirtschaft nicht einmischen. Der Markt regelt das von allein. Wir wollen ja Arbeitsplätze retten. Das Spannungsfeld ist ja bereits bekannt: mehr Staat, weniger Markt oder doch lieber mehr Markt und weniger Staat. Beides greift zu kurz, denn das Eingreifen in die Wirtschaft ist den Kapitalisten nur so lange angenehm, solange sie davon Profite einstreichen. Wenn sich die Neoliberalen wenigstens selbst beim Wort nehmen würden, dürften sie auch ganz gut ohne staatliche Hilfen zurechtkommen. Doch vermutlich lässt sich all dies ganz simpel erklären: Gewinn hin oder her. Der Instagram-Account war vor der Eröffnung bereits online – dann bauen wir das Ding halt und der Willi soll uns unter die Arme greifen.

Das Statement des ÖH-Sozialreferats fasst es zum Schluss nochmals recht gut zusammen: „…dass das Land Salzburg ein Heim mit Millionenbeträgen fördert, welches nach Fertigstellung für Studierende fast unleistbar ist und mit völlig überteuerten Zimmerpreise aufwartet, ist selbst für Salzburger Verhältnisse skandalös. Es kann nicht sein, dass ein Heim mit Landesförderungen überproportional teurer ist als sämtliche Studierendenheime der Stadt Salzburg.“ Es ist schlicht und ergreifend ein Wahnsinn, dass das Wohnen immer teurer wird, und die Stadt den Immobilienspekulanten immerzu Geschenke macht. Wohnen ist ein Grundrecht!

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