Wer braucht heute noch Kunstunterricht?

Jungen, Kinder, Glücklich, Sitzung, Studenten

Am Mozarteum Salzburg sollen im Bereich der Bildnerischen Erziehung zwei von
insgesamt vier künstlerischen Professuren nicht mehr nachbesetzt werden.
Die Studierenden befürchten dadurch eine massive Verschlechterung der Studienqualität
und der Studierbarkeit – sie sehen aber auch negative Folgen für die Vermittlung an
Schulen und versuchen dem nun entgegenzuwirken.

Von der STV des Department 12 für Bildnerische Erziehung und Gestaltung

Im Laufe der Jahre 2022 und 2023 sollen zwei von vier Professuren am Mozarteum – genauer am Department 12 (Lehramt Bildnerische Erziehung und Gestaltung) – nicht mehr nachbesetzt werden. Betroffen sind die Klasse der Bildhauerei und jene der Grafik: sie stehen für zwei organisatorisch, räumlich und fachlich getrennte Bereiche. Nun befürchten die Studierenden und Lehrenden des Hauses, dass das Fehlen des Lehrpersonals unumgänglich zu einer massiven Verschlechterung der Studierbarkeit und Studienqualität führt, da dieser Rechnung nach zu viele Studierende auf zu wenige Professor*innen/Lehrpersonen treffen. Aber auch administrative und curriculare Fragezeichen tun sich auf (Beispiel Benotung), die nun innerhalb eines Semesters und ohne Vorlaufszeit geklärt werden müssen.

Den Studierenden kann durch das Wegfallen der Stellen nicht mehr garantiert werden, dass die eigene künstlerische Entwicklung, die Teil des Lehramts-Curriculums aber auch des Entwicklungsplans des Rektorats ist, ausreichend gefördert und gesichert werden kann. Der Entwicklung unterschiedlicher künstlerischer Praxen und Kompetenzen wird somit enorm entgegengewirkt. Weiters besteht mit diesem Schritt keine Garantie mehr für effektives und verantwortungsvolles Arbeiten gegenüber den verbleibenden Lehrpersonen, was auch eine drastisch verschlechterte Betreuung der Studierenden impliziert. An dieser Stelle sei anzumerken, dass somit auch eine Verschlechterung der Studienabschlüsse und eine negative Auswirkung auf die Anzahl und die Erfolgsquote der ordentlichen Studierenden zu befürchten ist, diese zu steigern jedoch Teil der Leistungsvereinbarung der Universität Mozarteum sind. Bezüglich der Pädagog*innenbildung steht das Mozarteum laut Leistungsvereinbarung für die Optimierung eines kohärenten Studienangebotes ein, welches die Bezugnahme auf schulische Lehrpläne, einen Qualitätsrahmen pädagogisch praktischer Studien und die Studierbarkeit und Erhöhung der Abschlussrate beinhaltet – eine Kürzung der praktischen Lehrstellen könnte sich nun aber gegenteilig auf diese Vereinbarung auswirken. Auch eine evidenzbasierte Entwicklung des Curriculums wird somit weitgehend ausgeschlossen. (Internationale) Kooperationen seitens des Departments 12 werden somit ebenfalls erschwert. Es entsteht also der Eindruck, als bestehe keinerlei Interesse an der Förderung des künstlerisch-wissenschaftlichen Interesses der Studierenden der Bildnerischen Erziehung.

Dieser daraus resultierende fehlende qualitativ-kritische Diskurs steht für eine bewusste Zielsetzung, die sich gegen die Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen und gegen die Entwicklung bzw. Erschließung der Künste und auch der kunstuniversitären Lehre stell, sich somit der gesellschaftlichen Verantwortung entzieht. Daraus resultiert die Frage nach der bildungspolitischen Einstellung der Universität. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass etwa ein Viertel der Studierenden am Mozarteum in Lehramtsstudien inskribiert (Musik und Instrumentalerziehung, Bildnerische Erziehung, Gestaltung: Technik.Textil) ist, und gut die Hälfte der belegten Studien sich mit Fragen der Vermittlung und der Pädagogik befassen. Warum findet also ausgerechnet in einem solch großen Bereich eine Kürzung statt? Durch die Nicht-Nachbesetzung der Stellen wird aktiv gegen die künstlerischen Fächer gearbeitet, was sich nachhaltig negativ auf die Ausbildung werdender Lehrpersonen auswirkt, die für die Bildungssicherung zukünftiger Generationen verantwortlich sind. Das Mozarteum gibt somit eine im österreichweiten Vergleich einzigartige Ausbildungschance auf. Das künstlerische Potential kann nicht mehr ausreichend gefördert und gesichert werden – Impulse für die Zukunft zu setzen, wird so zu einem Traum, der Traum bleibt. Die Umwidmungen, die fehlende Transparenz sowie der Mangel an Zeit, um angemessen reagieren zu können, hat also nicht nur Auswirkungen auf ein Studium, sondern auch auf den Kunstunterricht an sich, den es eigentlich zu stärken gilt. Kunst beginnt nicht erst an einer Universität – die Grundlagen, die Unterstützung, die Förderung übernehmen Pädagog*innen bereits weitaus früher. Kunstpädagogik ist nicht ausschließlich Vermittlung: die Lehrer*in als Künstler*in, die die Pädagogik in ein neues Licht rückt. Kunstvermittlung selbst wird zur künstlerischen Praxis. Kunstvermittlung ist eine Konzeptarbeit. Kunstvermittlung ist theoretisches Wissen und künstlerische Erfahrung. Kunstvermittlung ist der Anfang. Die Möglichkeit, sich als Ausbildungsstätte für werdende Lehrpersonen im Vergleich zu anderen österreichischen Universitäten zu profilieren und somit ein positives Zeichen zu setzen, wird somit verschwindend gering. 

Vielmehr trägt dieses Vorgehen zu einer weiteren Verschlechterung der Lehrer*innenausbildung bei. Neben den sonst so ehrgeizigen übergeordneten Zielen der Universität Mozarteum, wie Nachhaltigkeit, Inklusion etc. wird mit diesem Schritt die Individualität und Vielfältigkeit der Ausbildung beschnitten. Die systematische Kastration geht aber auch vom Ministerium aus, das letztendlich zu einer impotenten Lehrer*innenschaft führt. Der Lehrer*innenberuf verdient volle Aufmerksamkeit, bildet er doch das gesellschaftliche Kapital der nächsten Generationen aus. Bildung gilt es weiterhin als höchstes Gut zu erhalten und Lehramtsstudierenden an den Universitäten ein konstruktives Umfeld zur Verfügung zu stellen, um Wissen und Haltung weiterzugeben. Der Kunstunterricht vermittelt eine entscheidende Haltung, um in dieser doch komplexen Welt den eigenen Ausdruck zu finden und in einer demokratisch organisierten Gesellschaft eine Meinung vertreten zu können. 

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