Manöverkritik

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Lehnerts (erste und letzte?) Amtsperiode als Rektor der Uni Salzburg endet demnächst. Deswegen wird in den Wahlkampfmodus geschaltet und man ist aus diesem Grund genötigt, zig – auch unliebsame – Hände zu schütteln, da nette Worte verlieren, dort gewogen nicken und nebenbei noch eigenhändig einen dubiosen Cyber-Angriff auf die PLUS abwehren. Alles nicht so leicht unter einen Hut zu bekommen – aber auch kein Grund für die uni:press, keine Performancekritik zu üben.

Redaktion uni:press

War in der letzten Ausgabe noch davon die Rede, dass die Geburtstags-Maschinerie der PLUS zum 400er schön langsam an Fahrt aufgenommen hat, so muss diese Feststellung gründlich revidiert werden. Aus „volle Kraft voraus“ wurde ein ordentliches Herumgegurke, das womöglich einzig vom Untergang der „Moskva“ im Schwarzen Meer überboten wurde. Es kam sichtlich Sand ins Getriebe der Jubliäums-Choreografie und Kapitän Lehnert gab auf der akademischen Brücke eher eine schettino’eske Performance zum Besten.

Deshalb sei an dieser Stelle eine kleine aber vor allem dringende Manöverkritik erlaubt. Oder – um den Duktus des Offiziersstabes der PLUS besser zu treffen – eine Performance-Evaluation. Diese ist aus mehrerlei Gründen notwendig: Zum einen verliert man sehr leicht den Überblick bei den ganzen Hackerangriffen, dem An- und Abtreten zur Wiederwahl und Hausverkäufen in Luxuslage, zum anderen aber scheint es so, als würde das aktuelle Rektorat, das wie noch keines davor auf PR und gute Publicity bedacht ist, genau immer wieder daran scheitern. Wie so oft bewahrheitet sich die Redewendung, wonach der Teufel nicht schlafe. 

Der Idealplan von Rektor Lehnert lässt sich wohl so rekonstruieren: Mit breiter Brust vor den Senat marschieren, umstandslos wiederbestellt werden und den Reformkurs der letzten Jahre ungestört fortsetzen. In letzter Sekunde entschied sich Lehnert aber – so gegenüber der Krone –, die Wahl als einen „offenen Prozess“ zu gestalten. Und das ist auch konsequent. Allenthalben begegnet man solchen Vokabeln, wenn es darum geht, die Uni „partizipativer“ oder „inklusiver“ zu gestalten. In erster Linie sind solche Begriffe natürlich feinstes Marketing-Klimbim und irgendein Berater verdient sich mit deren Erfindung einen fürstliches Zeilengeld. Gesetzt den Fall, dass diese Wörter aber dann doch mehr sind als bloße Hülle, muss man mit den Luftsprüngen immer noch zuwarten. Weder setzen sich die Studierenden und Angestellten aus dem Mittelbau rote Hauben auf und Jagen das Rektorat zum Teufel noch wird diese angestaubte Sammelsurium aus Senat und Universitätsrat abgewickelt. Vielmehr ist damit gemeint, dass man bei den Kollegen von On Track online (https://on-track.sbg.ac.at/plus-roadmap/) Verbesserungsvorschläge einbringen kann; die dann ganz sicher nicht in den Untiefen einer Google-Drive-Datei versauern. Ein Blick auf die oben verlinkte Webseite lohnt sich aber dennoch, denn es stelle ein eindrückliches Best-Of von leeren Politphrasen der letzten drei Jahrzehnte dar – ZiB2-Interviews in Wahlkampfzeiten sind fein pointiert dagegen. Roadmap da, Wohlfühlen dort, Kräfte werden ge- und entbündelt und schlussendlich wird man auf die Zukunft vertröstet. Sahnehäubchen ist eine breit grinsende Buddha-Statuette, die vermutlich die kulturelle Offenheit der PLUS unterstreichen soll.

Aber eigentlich hört diese Partizipationswut schon viel früher auf. Genau dort, wo es besonders spannend wäre. Als das IT-System der PLUS Ende März von einem Hackerangriff lahmgelegt wurde und Angestellte ein paar Tage keine E-Mails abrufen konnten, berief Lehnert in staatsmännischer Manier eine Pressekonferenz ein, nach der man genau so klug war wie davor – Fragen aus dem Publikum wurden nämlich nicht zugelassen. Gerüchten und Mutmaßungen gibt man so freilich erst Treibstoff. Aber muss am Ende jeder selber wissen. Man kann nur hoffen, dass wenigstens die Angreifer*innen alles gefunden haben, wonach sie gesucht haben.

Und bis jetzt haben wir noch nicht davon geredet, dass Lehnert – eine Spiegel TV-Doku stellt es in den Raum und der Rektor bestätigte dies dann auch – eine Liegenschaft am Tegernsee einem russischen Oligarchen verkaufte. Ein Vorgang, mag man jetzt meinen, der sich so oder so ähnlich wohl tagtäglich abspielt. Jetzt wurde das halt justament bekannt, als Russland einen Krieg gegen die Ukraine vom Zaun brach und mit schwerem Gerät in ihrem Nachbarland einfiel. Im Zuge dessen wurden auch die Vermögenswerte russischer Oligarchen europaweit eingefroren (auch wenn Österreich seine liebe Not damit hat). Da dann ausgerechnet in einer dieser nuancierten Reportagen von Spiegel TV namentlich genannt werden – naja. Dagegen war der Maiaufmarsch der Sozialdemokraten 2016 der reinste Wellness-Spaziergang für Werner Faymann. Es darf jedenfalls davon ausgegangen werden, dass das mondäne Anwesen an der bayrischen Riviera kein wesentlicher Baustein der russischen Kriegstaktik sein wird. Und wenn man sich genauer darüber Gedanken macht, kommt es am Ende auch uns – den Studierenden der PLUS – zugute. Denn wer für ein paar Millionen Euro ein Häuschen an den russischen Oligarchen bringt, macht sich wenig verdächtig, aus finanziellen Gründen am Rektoratsposten der Uni Salzburg interessiert zu sein. Viel mehr bewegen wir uns hier in den Sphären der intrinsischen Motivation – der edelsten aller Motivationen. Klaren Blickes kann also Lehnert, ungestört von schlaflosen Nächten, weil die Jahresabrechnung der Salzburg AG naht, an der visionären Zukunft bzw. einer zukunftsreichen Vision der PLUS basteln und feilen. Insofern natürlich die Wiederwahl entsprechend ausgeht.

Um die Wiederwahl zu einer Formsache zu machen, tingelt Lehnert fleißig von einem Uni-Event zum nächsten und streut fleißig verbale Blumen. So geschehen etwa am 6. April auf der Edmundsburg, wo das Wissenschaft & Kunst-Forum einen Vortrag von Joseph Vogl organsierte – seines Zeichens Experte für französische Philosphiereray und Kritik am Kapitalismus. Dieser Umstand hinderte Hendrik Lehnert aber in einem unknapp gehaltenen Grußwort nicht, davon zu schwärmen, wie sehr dieses Forum aber auch Vogls Vortag eine Bereicherung für die Uni seien. Der Umbau („Umstrukturierung“ in der offiziellen Diktion) der Salzburger Uni zu einem modernen Unternehmen, das massig Drittmittel lukriert und in erster Linie vernünftiges Humankapital ausspucken soll, hat hingegen null (0) mit den Zwängen des Kapitalismus zu tun. Aber hier muss man aber auch Nachsicht walten lassen, da Lehnert bereits nach 15 Minuten den Vortrag verließ. Nicht etwa, weil ihn das Thema langweilte, sondern weil auch noch einem anderen Event eine Grußbotschaft verheißen war. 

In eine ähnlich groteske Kerbe schlagen die 400PLUS Lectures, eine Vortragsreihe, die „aufschlussreiche Einblicke in das Universitätsleben“ ermöglichen soll und noch bis zum 23. Juni besucht werden kann. Den Startschuss gab dabei ein Vortrag von Lehnert persönlich, in dem er unter dem Titel „Komödie der Irrungen? Die Universität mit Shakespeare verstehen“ referierte. Hier gibt es lediglich Punktabzug, weil Grillparzer im Grunde viel besser gepasst hätte und die „Irrungen“ im Titel durchaus als feine selbstionische Sichtweise auf die eigene Amtszeit gedeutet werden können. 

Bei anderen Titeln muss man sich aber dann doch an den Kopf greifen, wie etwa am 21. April, wo das Thema „Corona – Viraler Marsch durch die Institutionen“ war. Man kennt ja die Erzählung vom Marsch durch die Institutionen der 68er, die nach anfänglichem revolutionärem Gestus sehr schnell auf Lehrstühle und staatsnahe Stellen spitzten, aber dieser Titel klingt in erster Linie bedrohlich und weiters muss man sich fragen, was man mit dieser Metapher genau ausdrücken möchte (sachdienliche Hinweise bitte an: presse@oeh-salzburg.at). Natürlich ist auch die Vernetzung mit der sogenannten Zivilgesellschaft ein Thema, das nicht ausgespart werden darf. Aus diesem Grund spricht der Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, Manfred Perterer, am 2. Juni über die PLUS in der öffentlichen Wahrnehmung. Das ist nur konsequent. Schließlich hat seine Zeitung ein Jubiläumsheft herausgebracht, in dem komplett unkritisch rechtsextreme Burschenschaften hofiert werden (uni:press #708). Das ist eine öffentliche Wahrnehmung, die man eigentlich maximal seinem schlimmsten Feind wünschen würde – nicht so aber in Salzburg.

Das Grande Finale der 400PLUS Lectures bildet ein Roundtable in der altehrwürdigen Aula in der Hofstallgasse. Dort soll ausgiebigst über die Zukunft der PLUS diskutiert werden und man scheute keine Kosten und Mühen, dazu geeignetes Personal aufzutreiben – man ist geneigt zu sagen, man fand die beiden profundesten Zukunftskenner Salzburg. Nämlich Dr. Wilfried Haslauer und Harry Mönchsberggarage Preuner. Deren Expertentum äußert sich darin, dass man, wenn man die politischen Standpunkte der beiden ins Gegenteil verkehrt, erfährt, was gut für die Zukunft wäre. Die uni:press freut sich an dieser Stelle ausdrücklich, dass auch Laura Reppman, große Vorsitzende der ÖH, zum Roundtable eingeladen wurde und wünschen an dieser Stelle viel Kraft für dieses Martyrium.

Diese ganze Melange aus halbdubiosen Immobiliendeals, Mini-Wahlkampftour und grottiger Krisen-PR gerinnt am Ende zur Bauerntheaterversion eines Politthrillers. Ein Drehbuch, das genau der Kragenweite von Salzburg entspricht. Schade nur, dass die PLUS über keinen Peter Alexander verfügt, der dieses Dramolett (keine Schmonzette!) würdig musikalisch unterstreichen könnte: Wie Heinrich Schmidinger noch Rektor woa, vor drei Joar, vor drei Joar…

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