„Es gibt zu wenig Raum, um etwas zu erschaffen aber auch um zu scheitern“

Die Club Commission Salzuburg im Interview mit der uni:press

Bar, Menschen, Flaschen, Getränke, Alkohol, Lampen

Rudolfskai, Gstättengasse und bissi Schallmoos, dann ist in Salzburg aber schon aufgeräumt, wenns ums Fortgehen und Feiern geht. Wenn man auf die verschiedenen Spielarten elektronischer Musik steht siehts sogar noch düsterer aus. Wenig konsumfreie Räume, eine angestaubte Kulturpolitik und die allgegenwärtige Vereinzelung tun ihr Übriges dazu. Um hier sukzessive Abhilfe zu schaffen hat sich unlängst die Salzburg Club Commission formiert, eine Interessenvertretung zur Förderung der hiesigen Clubkultur. Dany, ein Gründungsmitglied dieser Initiative, hat mit der uni:press darüber gesprochen worans hapert in Salzburg und wo man den Hebel ansetzten müsste:

Wer seid ihr und was macht die Salzburg Club Commission?

Die Club Commission ist eine Interessensvertretung für Leute und Akteure, die in Salzburg Clubkultur betreiben. Es geht am Ende um Lobbyarbeit, die wir machen wollen, um bei der Politik für ein Bewusstsein zu sorgen, aber auch bei der Bevölkerung natürlich. Damit erkannt wird, wie wichtig bespielbare Räume und Flächen sind, bei denen es keine Rolle spielt, ob man sich das Ticket leisten kann oder nicht. Aktuell bewegt sich das in Salzburg sehr im privaten und kommerziellen Rahmen, wie etwa bei den Festspielen. Was es aber braucht, ist ein mehr an Subkultur.

Was war der entscheidende Punkt, an dem man gesehen hat, dass es eine Interessenvertretung braucht?

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass sich in Salzburg sehr wenig tut in dem Bereich und es sehr schwierig ist für Leute sich hier zu etablieren oder überhaupt ausprobieren. Das fängt an bei Locations, von denen es zu wenig gibt bzw. Freiflächen. Geht aber auch dort weiter, dass viele Leute, die sich engagieren wollen würden wegziehen, weil in Salzburg kulturell zu arbeiten sehr prekär ist und es schwierig ist hier Fuß zu fassen. Es gibt hier zu wenig Raum, um etwas zu erschaffen aber auch um zu scheitern. Das alles sind Punkte die sehr konträr sind zu dem Image einer Kulturstadt, als die sich Salzburg gerne selber gibt. Und hier muss sich dringend was ändern, sonst muss man sich die Frage stellen, was hält junge Menschen in Salzburg? Hilfe bekamen wir vor allem aus Innsbruck und Wien, wo es schon länger Club Commissions gibt.

Was unterscheidet Städte wie Innsbruck und Wien hinsichtlich der Clubkultur von Salzburg?

Es gibt vor allem mehr Häuser, die zum einen sehr niederschwellig arbeiten aber auch ein lokal orientiertes Programm kuratieren. Ich kann nicht genau sagen, woran das liegt, aber vielleicht weil die dortige Szene nicht so durchinstitutionalisiert ist wie hier mit dem Rockhouse, der Arge oder der Szene – was aber zweifelsfrei auch Vorteile mit sich bringt. Dennoch würde Salzburg noch ein oder zwei Häuser mit niederschwelligem Zugang vertragen.

Hat die Stadt hier zu lange geschlafen und müsste aktiver werden?

Salzburg scheint generell ein schwieriges Pflaster zu sein, wenn man siehr wie klein die Clubszene bis jetzt ist, vor allem die private und gewinnorientierte. Als Konsequenz dieses kleinen Angebotes weichen dann viele Jugendliche nach draußen aus und verbringen den Abend etwa am Elisabethkai, dort aber dann die Anrainer*innen stören. Hier könnte die Stadt einschreiten und Räume schaffen, die in vielfältiger Weise bespiel- und nutzbar ist. 

Wie stehts um das Bewusstsein der Salzburger*innen und der Politik für Clubkultur?

Generell würde ich sagen, dass bis jetzt wenig Bewusstsein herrscht. Es gibt aber vereinzelt Poltiker*innen, die sich bewusst sind, welchen gesellschaftlichen Wert eine Subkultur haben kann.

Es kommt aber auch dazu, dass es in Salzburg scheint, als ob sich viele Menschen mit der Situation abgefunden haben. Mit der Ankündigung den Rudolfskai umzugestalten, dürfte sich aber die Sichtweise vieler ändern, nicht nur jener, die generell alternativere Angebote vorziehen.  

Was sind die nächsten Schritte die ihr als Club Commisson geplant habt?

Bisher ist die meiste Zeit in Vernetzung mit den einzelnen Akteur*innen aber auch der Politik geflossen, wo wir auch schon einige Treffen hatten. Diese waren auch sehr cool und konstruktiv. Daneben gab es im „Jazz It“ einen Diskussionsabend. Direkt geplant ist ein Workshop zu sexualisierter Gewalt im Club. Dieser wird im kommenden Jahr stattfinden und richtet sich an Betreiber*innen von Clubs und Lokalen sowie  Veranstalter*innen und Leuten, die im Nachtleben involviert sind, um sie für dieses Thema zu sensibilisieren. Dabei arbeiten wir mit Gewaltschutzzentrum und der Frauennotruf zusammen. Es wären auch weitere Workshops denkbar, etwa wie Bearbeite ich Förderungsanträge richtig oder Podiumsdiskussionen mit Vertreter*innen der Stadt und der Kulturlandschaft. Sehr gerne kann man sich aber natürlich mit Vorschlägen an uns wenden oder sich direkt engagieren.

Was müsste sich in den nächsten Jahren tun, um eine merkbare Veränderung in Salzburg zu spüren?

Ich denke da gibt es keinen Masterplan und jede Stadt ist dahingehend unterschiedlich und vieles hängt von der vorhandenen Infrastruktur vor Ort ab. Wenn es nur Räume gibt, die gewinnorientiert arbeiten (müssen), dann muss ich das beim Booking immer im Hinterkopf behalten, damit man am Enden nicht mit einem Minus aussteigt. Wenn hier die Stadt in Strukturen investieren würde, bei denen das nicht Voraussetzung ist, könnte sich in den nächsten Jahren richtig viel tun. Auch muss die Stadt hier erkennen, wie wichtig Nachhaltigkeit in dieser Hinsicht wäre. Schließlich könnte eine breit aufgestellte Clubkultur auch dem Tourismus gut tun. Daneben gilt es die kreativen Leute, die es in Salzburg gibt, sei es an der Uni, der FH, dem Mozarteum oder dem SEAD, besser untereinander zu vernetzen. 

Einen konkreten Änderungsvorschlag gibt es auch hinsichtlich der Förderstruktur selbst. Diese hängt sich sehr oft an klar umrissenen Projekten auf, die eingereicht werden müssen. Wichtig wäre hier eine Flexibilisierung, dass man etwa für den Aufbau von Infrastruktur Förderungen bekommen kann, sei es nun die Anschaffung eines Computers, die Reparatur einer Toilette oder Instandhaltung. Hier könnte man mit wenig Aufwand viele erreichen. Die aktuelle Bürokratie schreckt mit Sicherheit jetzt schon viele ab, überhaupt irgendetwas zu beginnen. Hier wird viel Potenzial verschenkt, was sehr schade ist. Großes Ziel der Club Commission ist es am Ende natürlich für alle ein besseres Kulturerlebnis zu ermöglichen aber auch für die Anerkennung der Freien Szene zu sorgen.

Weitere Infos

Webseite: https://salzburgclubcommission.at/

Instagram: salzburgclubcommission

Facebook: Salzburg Club Commission

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